4. März 2026

Im Flirren des Sommers – Viel Atmosphäre, wenig Geschichte


In „Schwarzer September“ entwirft Sandro Veronesi das Bild eines italienischen Sommers der 1970er Jahre. Im Zentrum steht ein Jugendlicher, dessen Ferien am Meer zunächst von familiären Routinen und unbeschwerter Langeweile geprägt sind. Ein tragisches Ereignis durchbricht diese Idylle und konfrontiert ihn erstmals mit Schuld und Endlichkeit. Doch weniger das Geschehen selbst als das Lebensgefühl jener Zeit bestimmt den Roman.


Spürbar werden vor allem die Gefühle und die flirrende, schwer greifbare Langeweile eines pubertierenden Jungen im heißen Sommer – erst in der Stadt, später am Meer. Abseits moderner Medien verdichtet sich der Alltag in scheinbar endlosen Nachmittagen, in Schallplatten, die immer wieder aufgelegt werden, und im Radio, das unermüdlich Sportberichte sendet. Gerade diese ausführlich geschilderten Übertragungen nehmen einen so großen Raum ein, dass sie mich ermüdeten. Zwar ist die Idee überzeugend, auf diese Weise den Lifestyle der 1970er Jahre einzufangen und atmosphärisch zu verankern. Doch die Umsetzung gerät zu breit: Die detailreiche Ausleuchtung des Ambientes überlagert die eigentliche Handlung, die sich dabei zunehmend verliert.


Manchmal kam ich mir vor wie in einer alten italienischen Seifenoper, in der weniger die Geschichte als das Ambiente im Vordergrund steht. Das hat Charme, doch es bleibt folgenlos. Für mich ist Schwarzer September daher letztlich eine nette Sommergeschichte – atmosphärisch stimmig, aber literarisch nicht nachhaltig beeindruckend.


Buchangaben:

Schwarzer September

Sandro Veronesi

Roman, gebunden, 

288 Seiten

Erschienen im Paul-Zsolnay-Verlag

Im Februar 2026

Preis 24€


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