10. April 2016

Rezension "Never Say Anything" von Michael Lüders



Der Autor Michael Lüders, Verfasser des Sachbuches "Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet" gilt als Nahost-Experte und lebt als Politik- und Wirtschaftsberater, Publizist und Autor in Berlin. Der vorliegende Thriller "Never Say Anything" ist sein erster Roman, rein fiktiv und wohl dennoch angelehnt an seine publizistischen und journalistischen Erfahrungen.

Klappentext
Die Journalistin Sophie Schelling hat sich auf eine ganz normale Dienstreise eingestellt. Doch manchmal ist man zur falschen Zeit am falschen Ort: Sophie sieht etwas, das sie nie hätte sehen dürfen. Immer tiefer verstrickt sie sich in das Netz eines übermächtigen Gegners, bis ihre Suche nach der Wahrheit zu einem blutigen Kampf ums Überleben wird.
Der Bestsellerautor Michael Lüders führt den Leser auf die dunkle Seite der Macht und stellt seine Heldin vor eine Gewissensfrage: Wie weit bist du bereit zu gehen, um die Wahrheit herauszufinden? Würdest du dafür deine Zukunft aufs Spiel setzen? Oder vergisst du lieber, was du erlebt und erfahren hast? Dieser Thriller ist eine höchst aktuelle Auseinandersetzung mit Geheimdiensten und entfesselter Moral. Erzählt aus der Sicht einer mutigen Frau, die ihren Beruf als Journalistin ernster nimmt als ihr guttut. Der Inhalt ist fiktiv, doch Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit sind unvermeidlich.

Der Thriller beginnt spannend und vielversprechend in Marakesch, von wo aus die deutsche Journalistin Sophie Schelling gemeinsam mit ihrem Marokkanischen Kollegen Hassan Maliki in das   Dorf Gourrama im Süden des Landes reist, um eine Himmelstreppe mitten in der Wüste zu besuchen. Dort wird sie überraschend Zeugin und einzige Überlebende eines grausamen Massakers durch das amerikanische Militär. Angeschossen verdankt sie ihr Leben Unbekannten, die sie in das Atlasgebirge bringen und gesund pflegen.
Das Blutbad wird offiziell Al-Qaida zugeschrieben, doch für Sophie steht fest, dass die Amerikaner dahinter stecken, und sie hat Beweise dafür, was letztendlich zur Verfolgung durch diverse amerikanische Geheimdienste und Bedrohung ihres Lebens führt.

Letzteres umfasst den Hauptteil der Handlung des Buches, der Kampf Sophies für Gerechtigkeit und die Bedrohung ihres Lebens und Verunglimpfung ihrer Person.
Der Autor betreibt dabei zum einen eine fast unerträgliche Schwarz/Weiß-Malerei in Bezug darauf, dass die ehrliche, menschenfreundliche Einzelkämpferin Sophie als extrem (Todes)mutige Frau mit Gewissen dargestellt und der amerikanische Geheimdienst CIA, die NSA, Homeland Security und wer noch alles beteiligt ist ganz eindeutig in die Ecke der unmenschlichen, gewissenlosen und skrupellosen Teufel geschoben werden; andererseits steht man als Leser weit außerhalb des Geschehens, weil die Charaktere (insbesondere Sophie) zwar handeln, aber nicht mitreißen. Sie bleiben blass und ohne Tiefe.

Auch Spannung will nicht recht aufkommen, dazu fehlt es dem Thriller an Überraschungen. Mit Beginn des Kampfes gegen die Geheimdienste dreht sich alles nur noch darum, wer auf welche Art kurzzeitig die Oberhand gewinnt und ob Sophie überlebt oder nicht. Die Fronten sind klar und ich als Leser verfolge lediglich den Krieg, was mir ehrlich gesagt zu langweilig war.
Und schließlich erwarte ich von einem Politthriller, der diesen Namen verdient, nicht nur das Anprangern und Berichten von Vorfällen, sondern hätte auch gerne Hintergrundinformationen dazu, die nicht nur daraus bestehen, dass eine Weltmacht versucht alles an sich zu reißen. Es gibt einige gute Ansätze dazu, die aber leider nicht verfolgt werden und im Sande verlaufen. So liest sich das Ganze für mich dann leider nur wie geschickt gestaltete Verschwörungsliteratur, bei der ich mir zusätzlich im Laufe der Zeit leicht genervt die Frage stelle, ob die Protagonistin nun überleben wird oder nicht.

Fazit:
Ein guter und vielversprechender Start gleitet leider ab in eine schwarz/weiß-Geschichte ohne wirklichen Tiefgang und ohne Überraschungen. Ich vergebe 3 Sterne.



Lüders, Michael

Never Say Anything

Thriller

3. Auflage 2016. 367 S.: Klappenbroschur
Erschienen: 10.02.2016

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.