Der Roman „Oroppa“ von Safae El Khannoussi entfaltet ein leuchtendes, vielstimmiges Panorama von Figuren, deren Wege zwischen Marokko und Europa verlaufen. Im Zentrum stehen Menschen, die sich in Migration, Erinnerung und politischer Realität bewegen – Suchende, Gestrandete und Überlebende, deren Geschichten sich über Generationen und Orte hinweg miteinander verweben.
Literarisch interessant ist vor allem, wie der Roman marokkanische Geschichte und Migrationserfahrungen in Europa miteinander verschränkt. El Khannousi nähert sich historischen und politischen Themen erzählerisch tastend, mit einer unorthodoxen, ausschweifenden Sprache. Dabei wird das vertraute europäische Selbstbild umgestülpt: Die Perspektive kommt nicht aus der gemütlichen, sicheren Mitte, sondern vom Rand. Die jüdisch-marokkanische Autorin gibt den Vergessenen, Verlierern und Flüchtenden eine Stimme – ein Ansatz, der gerade in populistischen Zeiten eine notwendige Gegenbewegung darstellt.
Allerdings führt die enorme Vielzahl an Figuren und Handlungssträngen auch dazu, dass man als Leser*in gelegentlich den Überblick verliert. Die Verflechtungen sind komplex und manchmal unübersichtlich, auch wenn sich viele lose Fäden am Ende zusammenfügen.
„Fabulieren gegen politischen Rechtsdruck“ könnte als Motto über diesem Roman stehen – und das funktioniert durchaus. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch wenn ich den großen Hype darum nicht ganz nachvollziehen kann, ist doch die Perspektive bemerkenswert und lesenswert.
Oroppa
Safae El Khannoussi
Roman gebunden, 352 Seiten
Carl Hanser Verlag GmbH
Februar 2026
ISBN 967-3-446284746






