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| Bildquelle: Verlag Klett-Cotta |
Bernadine Evaristos Roman Mr. Loverman ist ein ebenso kluger wie vergnüglicher Blick auf Liebe, Identität und gesellschaftliche Konventionen. Im Zentrum steht der über siebzigjährige Barry, ein charmanter Dandy mit karibischen Wurzeln, der seit Jahrzehnten ein geheimes Leben führt: Nach außen gibt er den eleganten, selbstbewussten Ehemann, doch tatsächlich liebt er seit seiner Jugend seinen besten Freund Morris. Diese Spannung zwischen gesellschaftlicher Rolle und persönlicher Wahrheit bildet den emotionalen Kern des Romans.
Evaristo gelingt es, mit großer sprachlicher Leichtigkeit und zugleich präziser Beobachtungsgabe ein vielschichtiges Panorama aus Ehe, Lüge, Sehnsucht und Selbstbehauptung zu entfalten. Besonders höchst vergnüglich ist, wie die Autorin mit ihrer lässigen Flapsigkeit zum Rundumschlag gegen aller Konventionen ausholt – und das auch noch mit einer gehörigen Portion kluger Witzigkeit, Zynismus und komödiantischer Abgedrehtheit. Ihr Ton ist frech, rhythmisch und voller pointierter Dialoge.
Doch hinter der humorvollen Oberfläche verbirgt sich eine ernsthafte Reflexion über Generationenkonflikte, Migrationserfahrungen und die Schwierigkeit, ein Leben lang gegen gesellschaftliche Erwartungen anzuleben. Gerade darin liegt die große Stärke des Romans.
Evaristo verbindet bissigen Humor mit feiner Menschenkenntnis. So entsteht ein Roman, der gleichermaßen unterhält und berührt – warmherzig, respektlos gegenüber Konventionen und zugleich überraschend tiefgründig.

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