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| Bildquelle: Ullstein Verlag |
Die Biografie Oppenheimer von Kai Bird und Martin J. Sherwin ist weit mehr als eine klassische Lebensbeschreibung. Sie liest sich stellenweise wie ein politischer Thriller, der die dramatischen Spannungen des 20. Jahrhunderts in der Figur des Physikers J. Robert Oppenheimer bündelt.
Mit erzählerischer Präzision und beeindruckender Detailfülle zeichnen die Autoren den Lebensweg jenes Wissenschaftlers nach, der als wissenschaftlicher Leiter des Manhattan-Projekts maßgeblich an der Entwicklung der Atombombe beteiligt war. Ein zentraler Schwerpunkt des Buches liegt auf eben dieser Phase: der fieberhaften Forschung, den moralischen Dilemmata und der ungeheuren politischen Tragweite der neuen Waffe. Dabei gelingt es Bird und Sherwin, die wissenschaftlichen, militärischen und persönlichen Konflikte gleichermaßen nachvollziehbar zu machen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Oppenheimer zunehmend in Konflikt mit der amerikanischen Politik. Seine kritische Haltung zur nuklearen Aufrüstung und sein Eintreten für internationale Kontrolle der Atomwaffen führten schließlich zu politisch motivierten Untersuchungen und unfairen Anhörungen, die seinen Ruf beschädigten.
Die Biografie ist hervorragend recherchiert und reicht inhaltlich weit über den Umfang der bekannten Verfilmung hinaus, die von Christopher Nolan eindrucksvoll und nahezu cineastisch umgesetzt wurde. Zugleich bleibt das Buch frei von jeglichem Hollywood-Kitsch.
Wer sich der komplexen Persönlichkeit Oppenheimers ernsthaft nähern möchte, findet hier eine ebenso fesselnde wie äußerst empfehlenswerte Lektüre.
Autoren: Kai Bird, Martin J. Sherwin
Ausgabe: Taschenbuch Seitenzahl: 832 Seiten
Verlag: Ullstein
Erscheinungsdatum: Juni 2023
ISBN: 978-3-548-06747-9

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